Schee bisch Tansania!

Tansania ist das Land in dem wir voraussichtlich die meiste Zeit verbringen, und es hätte ein schlechteres Land dafür treffen können. Die Leute sind fast alle ziemlich nett und hilfsbereit – ausser sie arbeiten im Tourismus, da müss mer aufpassen – und das Land an sich ist meistens bilderbuchschön. Und immer anders! Dass die Landschaft ziemlich abwechslungsreich ist hängt natürlich auch damit zusammen dass es ziemlich gross ist. Allein vom Grenzübergang im Südosten des Landes bis nach Dar es Salaam an der Ostküste legten wir knapp 1000km zurück, und kamen dabei von tropisch anmutenden Wäldern mit Tee- und Bananenplantagen zu kargem Hochland, weiter ins trockene Tiefland mit Tausenden von Baobab Bäumen und schliesslich an die schwüle Küste mit Kokospalmen und Puderzuckerstrand und pipapo.

Speziell beim letzten Part kamen wir uns ein bisschen vor wie im falschen Film – Puderzuckerstrand hatten wir wenn überhaupt erst für Zanzibar auf dem Plan, sicherlich nicht für Ostafrikas zweitgrösste Hafenstadt Dar es Salaam! – aber wenn man dann so im warmen Wasser toter Mann spielt und sich langsam wieder an den Strand treiben lässt um ein bisschen in der Brandung rumzuliegen während einem die milde Wintersonne auf den Pelz brennt, dann sind so einige Härten der letzten Tage und Wochen in nullkommanix vergessen.
Das Ganze sah so nach Werbeprospekt für den Honeymoon aus dass wir schon mal an unsere Hochzeitsreise in den Schwarzwald denken mussten (wo’s abwechselnd geschneit oder geregnet hat – war aber auch schön). Natürlich holt einen die Motorradtourerrealität bald wieder ein, und nach der Rückkehr von Zanzibar haben wir nullkommanull Strand gesehen, dafür viel Asphalt und den irrsten Verkehrstau den man sich nur vorstellen kann, und zwar jeden Tag zweimal, denn wir mussten vom einen Ende der Stadt (Wohnort, mit Waschmaschine und WiFi, den zwei ultimativen Luxusgütern unserer Reise) ans andere (Bosch Werkstatt).


Deshalb freuten wir uns auch sehr, als wir endlich wieder loskamen. Und noch mehr, weils in die Berge ging. Unser neuer Freund Jay – der uns auch schon mit diversen Tips und Kontakten weitergeholfen hatte – liess es sich nicht nehmen uns ein Stück Weg zu begleiten. Kurz nach Bagamoyo hiess es leider Abschied nehmen – aber vielleicht sehen wir uns wieder wenn im nächsten Jahr die Rugby WM in England stattfindet!
Wir fuhren weiter in nördlicher Richtung. Leider nicht ohne einen weiteren mechanischen Zwischenfall: Nach kurzer Verschnaufpause am Wegesrand wollte sich Jan wieder aufs Motorrad schwingen. Doch statt dem Rütteln des Anlassers gab es ein metallisches “Pling” zu hören und das Motorrad fiel in Jans Richtung. Nachdem wir es mit Hilfe eines Einheimischen wieder aufgerichtet hatten, kam das Dilemma zum Vorschein: der Seitenständer war abgebrochen. Also ging es erst einmal so weiter Richtung Kilimandscharo und bei jedem Halt und Tankstop war eine gute Balance von Nöten, um vom Motorrad abzusteigen und die “Kleine” auf den Hauptständer zu wuchten.
Der Weg nach Moshi am Fuß des Berges war eine Klasse für sich. Kurvige Straßen und sagenhafte Blicke auf wolkenbetupfte Wälder, Berghänge und -spitzen. Schon vor dieser Mischung aus Baustellen und guten Teerstraßen hatten wir uns gegen die eigentlich geplante Besteigung des Kilimandscharo entschieden – der Preis war einfach nicht in unserem Budget. Stattdessen gab es für uns eine Kaffeetour (Video kann man hier anschauen) bei der wir Vieles über den Anbau, die Röstung und die Zubereitung von Kaffee erfahren haben.
Arusha, oder genauer der Merserani Snake Park, stand als nächstes Ziel an. Gegründet und geführt von einem südafrikanischen Päarchen ist dieses Camp Reptilieninformationszentrum für die Gemeinde, Klinik, Werkstatt und manchem auch wohl ein zweites Zuhause. Hier konnten wir Jans Seitenständer schweißen lassen und einige andere Kleinigkeiten reparieren und warten. Und wir bekamen die Information, dass die in Südafrika angekündigte Sandpiste mit Dornengebüsch wohl einer ganz passablen Teerstraße gewichen ist.
So gings mit frohem Mut weiter in Richtung Viktoriasee wo wir unseren Freund Peter Gostelow besuchen wollten. Peter kennen wir seit unserer Vorweihnachtstour durch Lesotho. Er war – wie eigentlich immer – mit dem Fahrrad unterwegs und wir aus Richtung Sani Pass kommend mit unseren Moppeds. Und nach kurzem Schwatz und Austausch der Adressdaten hatte er uns zu sich eingeladen falls unser Weg zum Viktoriasee führen würde.
Von unserem nächsten Stop dem Ngorongoro-Krater waren es dann noch 760km, die wir in zwei Tagen bewältigen wollten. Eine Kanne gesüsster Gewürztee und Chapatis am Morgen waren die Einstimmung für einen tollen ersten Tag auf der malerischen und kurvenreichen Strecke. Für die Übernachtung entschlossen wir uns zu unserem ersten wilden Zelten. Also fingen wir am späten Nachmittag an, die Umgebung nach möglichen Zeltplätzen zu sondieren. Das geschieht gleichzeitig mit dem Halten des größtmöglichen Abstands zum restlichen Verkehr, damit niemand bemerkt, wenn man von der Straße zur auserkorenen Schlaffstätte abbiegt. Bei uns wars dann letztendlich eine Plantage. Und auch bei uns bewahrheitete sich die Wildcamp-Erkenntnis: irgendjemand kommt immer vorbei. Wir waren am nächsten Morgen jedoch schon abfahrbereit als ein Junge staunend mit seinem Rad mit gehörig Abstand anhielt, um uns in Augenschein zu nehmen. Wir mussten nur kurz zum Abschied winken und konnten dann mit einem Rekord aufbrechen – um 7:15 hatten wir es noch nie vorher geschafft loszukommen.
Bis auf unsere zweite uns letzte Geldstrafe in Tansania wegen zu schnellem Fahren verlief der Tag ereignislos und wir machten genug Strecke. Genug, um noch etliche Stunden in einem Hotel am Ufer des Viktoriasess auf unseren Gastgeber zu warten. Der war nämlich noch im Anflug auf Mwanza, weil er derzeit einen Arbeitsauftrag außerhalb hatte. Wir hatten ein tolles Wochenende am See mit Stadterkundung, Buntbarschbarbecue und abendlichem Fussballkonsum.
Jan brachte Peter dann am Sonntag noch standesgemäß mit dem Zweirad zum Flughafen. Wir selbst brachen am Montag auf, um mit einem Zwischenstop dann auf unsere nächste Etappe zu gehen – Ruanda.

 

 

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